Marokko kann's nicht fassen

Dieses WM-Viertelfinale war so nicht erwartet worden

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10.07.2026 | 07:35 Uhr
Bei der Fußball-WM in Katar wird Marokko Vierter. Auch beim Turnier in den USA spielt das Team groß auf - bis zum Viertelfinale. Gegen das Superteam aus Frankreich geht gar nichts.

Achraf Hakimi blickte ins Leere. Er versuchte zu verstehen, wie passieren konnte, was passiert war. Der vom Elfmeterpunkt schier unüberwindbare Yassine Bounou schlich mit Tränen in den Augen vom Platz. Brahim Díaz stand wie versteinert in der Mitte des Stadions von Foxborough. In der Heimat, beim Public Viewing im Stadion von Rabat, saßen die 60 Minuten lang euphorisch feiernden Fans fast schweigend auf den Rängen. Ein Drama.

Chancenlos waren die Marokkaner aus dem WM-Turnier geflogen. Hergespielt von Frankreichs Superfußballern. Ja, ein Sieg der Nordafrikaner gegen das Über-Team wäre eine kleine Sensation gewesen. Aber zwischen diesem so großen Szenario und der Wahrheit auf dem Platz wäre viel Raum für eine andere Geschichte gewesen. Eine, die spannender gewesen wäre. So aber taumelt Marokko fast hilflos aus dem Viertelfinale (0:2).

"Wir sind sehr enttäuscht. Aber wir müssen versuchen, unsere Köpfe hochzunehmen, denn wir haben alles gegeben", sagte Marokkos Nationaltrainer Mohamed Ouahbi: "Wir müssen anerkennen, dass wir gegen eine großartige Mannschaft gespielt haben, sie hätten früher treffen können. Uns hat beim Umschalten etwas gefehlt." Dieser Verlauf des ersten Viertelfinals war so nicht erwartet worden. Marokko hatte sich in dieser WM erneut viel Anerkennung verdient und viel Selbstvertrauen erspielt. Das Duell gegen Frankreich sollte sich in die bisherigen Leistungen einreihen. Es wurde aber ein Ausreißer. Nach unten.

Knockoutspiel? Pflichtaufgabe!

"Von der Anspannung, dem Druck und dem Nervenkitzel, die man normalerweise mit einem WM-Viertelfinale verbindet, war kaum etwas zu spüren", titelte der enttäuschte "Guardian". Diese Partie wirke eher wie ein Gruppenspiel, "eine Pflichtaufgabe, die es abzuhaken galt." Das erledigten "Les Bleus" eiskalt. Wieder einmal. Sechs Spiele, sechs Siege, 16:2 Tore - das ist Frankreichs bisherige Bilanz bei diesem Turnier. "Unaufhaltsam" titelte die Zeitung "L'Équipe" nach der doch überraschend einseitigen Partie gegen Marokko.

"Diese Mannschaft ist weder Weltmeister noch Vizeweltmeister. Im Moment ist sie nicht die stärkste", sagte der Matchwinner Kylian Mbappé. Und schob dann einen Satz hinterher, den die Konkurrenz vor den entscheiden K.o.-Spielen getrost als Kampfansage verstehen darf: "Es ist die Mannschaft mit dem größten Potenzial."

Marokko hatte keine Chance. Zwar sind in der offiziellen Statistik fünf Torschüsse notiert. Richtig gefährlich aber war keiner gewesen. Der xG-Wert, die zu erwartenden Tore angesichts der Chancen, lag bei 0,14. Das ist knapp über dem Existenzminimum. Die Franzosen dagegen hatte zuhauf Chancen, waren aber erst in der zweiten Halbzeit eiskalt. Marokkos überraschende Mauertaktik hatte in der Neuauflage des WM-Halbfinals von 2022 (2:0 für Frankreich) nur eine Stunde lang Erfolg.

Marokko trägt's mit Fassung

Superstürmer Mbappé (60.) und Weltfußballer Ousmane Dembélé (66.) trafen per Doppelschlag. Im ersten Durchgang vergab Mbappé sogar einen Elfmeter, nach einer absurd langen Wartezeit durch VAR-Check. Er hatte mehrere Minuten am Punkt warten müssen, ehe er endlich schießen durfte. Ein Zweikampf, der dem Foul zum Strafstoß vorausgegangen war, hatte noch überprüft werden müssen. Der Schuss dann war wahnsinnig schlecht, Keeper Bono zur Stelle. Von neun Elfmetern bei Weltmeisterschaften - inklusive Elfmeterschießen - ließ Bono nur zwei Tore zu. Viermal parierte er, dreimal wurde anderweitig vergeben. 

Nur Marokkaner, aber Dembélé schließt genial ab

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Die Nordafrikaner hatte in diesem Spiel eine schwere Hypothek zu schultern. Ismael Saibari, der nach der WM zum FC Bayern wechselt, fehlte angeschlagen. Saibari war der offensive Anker. Ohne ihn taumelte das Spiel der Marokko führungslos über die krachenden Wellen des französischen Pressings. "Uns war klar, dass es ein hartes Spiel wird und wir eine riesige Leistung abrufen müssen", befand Ayyoub Bouaddi. "Genau das haben die Jungs gemacht, jeder hat hundert Prozent gegeben. So ist Fußball, man kann nicht immer gewinnen. Dieses Spiel wird uns weiterbringen: Es zeigt uns, was uns für kommende Turniere noch fehlt." Bouaddi, das Supertalent, das die Topklubs in Europa ganz wuschig macht, konnte das Spiel nicht wie so oft in diesem Turnier an sich reißen. Der 18-Jährige, der mit seiner Spielweise Toni Kroos ähnelt, ging im Pressingdruck der Franzose ebenfalls unter.

Die nächsten Ziele Marokkos? "Erneut den Afrika-Cup gewinnen. Darum geht es bei jedem Turnier. Wir haben einen starken Verband, wir haben fantastische junge Spieler", sagte Ouahbi. Und: "Wir können uns noch entwickeln", betonte der Coach des Co-Gastgebers der nächsten Weltmeisterschaft.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno